Projekt

Das stetige, auch internationale Interesse an Heartfields Œuvre bürgt für dessen nachhaltige Relevanz: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der verschiedensten Disziplinen, aber auch Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt suchen in Heartfields Werk nach Anknüpfungs- und Referenzpunkten für ihre Arbeit und Forschung. In den letzten Jahren hat das Interesse an Heartfields Kunst deutlich zugenommen, was sich in den Rechercheanfragen sowie in einer wachsenden Zahl an Leihanfragen internationaler Institutionen und Museen widerspiegelt: Der Heartfield-Bestand zählt zu den Publikumsmagneten des Archivs der Akademie der Künste.

Der Wunsch, den gesamten grafischen Bestand in einer adäquaten Form im Internet zu präsentieren, bestand schon seit geraumer Zeit, bei genauerer Betrachtung zeigte sich aber, dass die bisherige Verzeichnung für diesen Zweck überarbeitet und der gesamte Bestand digitalisiert werden muss, was mit enormen Kosten verbunden ist. Während die Digitalisierung aus Eigenmitteln des Archivs der Akademie der Künste erfolgte, ermöglichte eine großzügige finanzielle Zuwendung der Ernst von Siemens Kunststiftung das Erschließungsprojekt unter der Leitung von Anna Schultz konkret durch die Finanzierung einer Projektmitarbeiterstelle. Ein Glücksgriff war, dass für diese Position Meike Herdes gewonnen werden konnten, die mit Enthusiasmus, reichen Kenntnissen und der nötigen Akribie die bereits vorhandenen Datensätze vereinheitlichte, systematisch ergänzte, strukturierte und dafür sorgte, dass sämtliche summarischen Verzeichnungen (sogenannte Konvolutverzeichnungen) aufgelöst werden konnten. Die Verknüpfung mit Personennormdaten und Bezugsobjekten sowie die Verschlagwortung der Bildinhalte seien hier nur exemplarisch als wichtige Elemente der Verzeichnungsarbeit genannt, die die Qualität und Freude an der Nutzung des Online-Katalogs gewährleisten werden.

Bei der Bestandsrevision zur Vorbereitung auf die Digitalisierung und Publikation des Online-Katalogs zeigte sich auch, dass die Aufbewahrung der Objekte dringend verbessert werden musste: Insbesondere die fragilen Fotomontagen und empfindliche Buchumschläge sollten eine konservatorisch optimale Lagerung erhalten, um sie langfristig bestmöglich vor Schäden durch Materialverschleiß und Handling zu schützen. Die Umsetzung dieser Maßnahmen durch die Abteilung Restaurierung erhielt dafür eine großzügige Förderung von der HERMANN-REEMTSMA-STIFTUNG im Rahmen der Förderinitative Kunst auf Lager.

Aufgrund der Bestimmungen des Urheberrechts am Werk, das die Enkel von John Heartfield (vertreten durch die VG Bild-Kunst, Bonn) wahrnehmen, wäre es uns ohne die Unterstützung der Erbengemeinschaft nicht möglich gewesen, den Bestand online zu präsentieren. Dafür sind wir den Nachkommen Heartfields in den Niederlanden und den USA zu großem Dank verpflichtet. Unsere gemeinsame Vision und das erklärte Projektziel ist es, Heartfields Werk in seiner Gänze zu präsentieren, der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und der Heartfield-Forschung durch die Bereitstellung des Bildmaterials neue Impulse zu bieten. Erstmals ist es nun online möglich, die Werkgenese von Motiven nachzuvollziehen oder Alternativentwürfe vergleichend zu betrachten. Zoom- und Leuchtkastenfunktionen erlauben, das Œuvre in seiner Vielfalt genau zu studieren und zu erleben. Das Konzept für diese Präsentation erarbeitete unser Projektteam gemeinschaftlich, besonderer Dank gilt Myriam Hilmes, die voller Elan und mit großem Engagement als Projektassistenz Außergewöhnliches leistete und stets den Überblick behielt. Wir schätzen uns glücklich, als Designer das Büro Heimann + Schwantes gewonnen zu haben, die es geschafft haben, unsere Wünsche und Vorstellungen gestalterisch umzusetzen, zugleich ein Designkonzept zu erstellen, das auf die Nutzungsanforderungen verschiedenster Besuchergruppen eingeht, und Heartfields Werk als Inspirationsquelle zu nutzen, um es respekt- und effektvoll in Szene zu setzen. Die technische Umsetzung und Programmierung übernahm die app@web SWE GmbH. Die Biografie erstellten Michael Krejsa, Volker Landschof und Harald Schadek und bebilderten sie, u. a. mit Fotos aus den Beständen der Archivabteilung Bildende Kunst, darunter einige, die im Rahmen der projektbedingten Digitalisierung der Fotobestände erstmalig digitalisiert wurden. Nina Zellerhoff erstellte das Glossar.

Die Publikation vieler, der Forschung bisher unbekannter Werke in diesem Format wirft neue Schlaglichter auf das Werk des Künstlers, der – wie sich mit der Publikation des Online-Katalogs deutlich zeigt – eben nicht nur als Fotomonteur in Erscheinung trat, sondern ein facettiertes, genreüberschreitendes Œuvre schuf und als zentrale Person in einem internationalen Netzwerk von Kulturschaffenden agierte. Dieses Netzwerk werden wir im Rahmen einer virtuellen Ausstellung vorstellen, die dazu einlädt, den „Kosmos Heartfield“ anhand von ausgewählten Exponaten aus allen Archiven der Akademie der Künste erneut abseits der altbekannten Wege zu erkunden.