Sammlung

John Heartfield schuf seine Kunst meist unter widrigen Bedingungen: Sein Leben war von Verfolgung und Exil geprägt, seine engagierte Kunst, die er als propagandistische „Waffe“ gegen soziale Ungerechtigkeit, politische Gegner, insbesondere die Nationalsozialisten, einsetzte, polarisierte. Sie rief die Zensurbehörden auf den Plan, musste mitunter im Geheimen konsumiert werden – und erreichte doch ein Millionenpublikum. Über 6.000 Werke, fragile Objekte aus Papier, überdauerten Krieg, Flucht und Exil und werden nun in der Kunstsammlung der Akademie der Künste aufbewahrt. Glück und Zufälle spielten dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle, sicherlich auch Freunde und Bekannte, die Werke in ihre Obhut nahmen, und nicht zuletzt wurden zwei Kisten mit Werken überliefert, die seit 1931 in Moskau eingelagert waren und 1958 von Heartfield wieder in Empfang genommen werden konnten. Heartfield selbst achtete darauf, sein künstlerisches Werk zusammenzuhalten. Soweit uns bekannt ist, trennte er sich ungern von Werken und schuf sie in der Regel auch nicht zum Zweck des Verkaufs, sondern als Vorlagenwerke, die der (möglichst massenhaften) Reproduktion und somit der Verbreitung der politischen Botschaft dienten.

Nach seiner Rückkehr 1950 aus dem englischen Exil in die DDR gelang es John Heartfield nur langsam und zunächst gegen großen Widerstand der Parteifunktionäre, als Künstler Fuß zu fassen. Erst 1956 wurde er als ordentliches Mitglied in die Akademie der Künste aufgenommen, blieb ihr treu verbunden und legte sie 1964 als Alleinerbin seines künstlerischen Nachlasses für die Zeit nach dem Tod seiner Frau Gertrud, genannt „Tutti“ (1910–1983), testamentarisch fest. Schon ein halbes Jahr nachdem John Heartfield im April 1968 gestorben war, wurde in der Akademie das John-Heartfield-Archiv eingerichtet, das Heartfields Witwe noch bis Ende 1983 als Nachlassverwalterin betreute. Der Umzug der rund 6.200 bildkünstlerischen Werke und Archivalien aus der gemeinsamen Wohnung in der Berliner Friedrichstraße in die Archivräume in der Luisenstraße 60 folgte sukzessive. Eine erste Sortierung des Bestands nach Klassifikationsgruppen und eine archivische Erschließung erfolgte seit 1971 durch Elisabeth Patzwall, die ein erstes Bestandsverzeichnis erstellte, das allerdings nie publiziert wurde. Bis 1994 wurde der Bestand von Petra Albrecht und Michael Krejsa betreut. In diese Zeit fiel die Sanierung des Archivstandorts in der Luisenstraße, durch die die konservatorischen Bedingungen für die Objekte erheblich verbessert werden konnten.
Gertrud Heartfield und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Heartfield-Archivs bemühten sich, durch Ankäufe, insbesondere von nicht mehr vorhandenen Büchern, Bestandslücken zu füllen.

1991 wurde der Bestand geteilt: 17,6 lfm. Schriftgut, die schriftlichen Nachlässe von John und Gertrud Heartfield sowie rund 3.000 Werk- und Personenfotos gingen in die Obhut der Archivabteilung Bildende Kunst, der bildkünstlerische Nachlass verblieb in der Kunstsammlung. Nach dem Tod von Gertrud Heartfield hatte die Akademie der Künste noch weitere Objekte aus dem Nachlass in die der Kunstsammlung angegliederte Museale Sammlung übernommen, darunter auch Heartfields umfangreiche Glas- und Keramiksammlungen, Arbeitsmaterialen und Möbel. Bis 2013 fungierte der Heartfield-Experte Peter Zimmermann als Bestandsbetreuer. Seiner analytischen Kennerschaft, seiner inhaltlich wie formal kritischen Auseinandersetzung mit Heartfields Œuvre sind viele Entdeckungen und eine Verzeichnung zu verdanken, die die Basis des vorliegenden Bestandskatalogs bildete. Dazu gehören historische Einordnungen, die detaillierte Identifizierung von dargestellten Personen und Sujets sowie – eine besondere Passion – das Aufzeigen von Querverbindungen und kuratorischen Bemerkungen, die in die Online-Präsentation einflossen.

Zwar ermöglicht es die Publikation des Online-Katalogs, Werke von John Heartfield anhand von Digitalisaten genau zu studieren (und zugleich das Original zu schonen), es wird aber auch weiterhin nach Anmeldung möglich sein, sich einzelne Originalwerke im Studiensaal der Akademie der Künste vorlegen zu lassen.